Die Begegnung des Betrachtenden mit dem Kunstwerk ist ein heiliger Moment.
Die Seelenkraft des Werkes tritt in Resonanz mit dem Wesenskern des Menschen.
Das Werk wird zum Fenster in die Seelenkraft seines Schöpfers.
Lässt sich der Betrachtende darauf ein?
Schwingt er in diesem Austausch mit?
Ich husche durch Ausstellungsräume und streife nur oberflächlich über die Werke, um jene zu finden, die mir jetzt etwas Wichtiges sagen.
Botschaften haben alle — doch ich wähle, was ich in mich hineinlasse.
Die Übertragung ist hoch.
Der Moment intensiv — und die Erschöpfung der Aufnahmekapazität tritt schnell ein.
Ich habe den Anspruch, mich von den Impulsen eines Werkes bewegen zu lassen.

Es ist ja auch immer die Frage:
Halte ich das aus, was ich durch dieses Fenster des Werkes sehe?
Schöpfende geben durch ihre Werke ihren Blick auf sich und ihre Weltsicht frei.
Das ist fast immer eine Zumutung — denn es ist anders als ich und anders als meine Weltsicht.
Für Kunst empfänglich zu sein bedeutet, sich von der Schwingung, die ein Werk freigibt, bewegen zu lassen.
Ein heiliger Moment.
